Von Harry Granqvist, Senior Climate Analyst bei Nordea Asset Management

Die Energiewende wird zum wirtschaftlichen Selbstläufer. Wo Kostenvorteile und Energiesicherheit jenseits der Politik neue Anlagechancen eröffnen.

In Investorenkreisen wird eine Debatte geführt, die ebenso vertraut wie frustrierend ist. Auf der einen Seite stehen die Optimisten der Energiewende; sie verweisen auf die Verdoppelung der Investitionen in saubere Energien innerhalb von fünf Jahren1 sowie auf den Rückgang der CO2-Intensität globaler Aktienindizes um fast 50 % seit 2020.2 Dem halten die Pessimisten die hartnäckig steigenden Treibhausgasemissionen3 und die globalen klimapolitischen Ambitionen entgegen, die bestenfalls ins Stocken geraten sind.4 Beide Lager haben recht – und genau zu verstehen, warum das so ist, unterscheidet disziplinierte Investoren von jenen, die Schiffbruch erleiden werden.

Für Investoren im Jahr 2026 ist folgende Erkenntnis entscheidend: Die Energiewende ist nicht länger primär ein politisches Thema. Sie ist zu einer Frage der Wirtschaftlichkeit geworden. Und das verändert grundlegend, wie Kapital allokiert werden sollte.

Das „Einwegtor“ der Technologieökonomie

Fast zwei Jahrzehnte lang herrschte die Annahme vor, die Klimapolitik sei der Motor der Energiewende, während technologische Fortschritte lediglich eine bescheidene Unterstützung leisteten. Dieses Verhältnis hat sich inzwischen umgekehrt, und die Auswirkungen für Investoren sind tiefgreifend.

Die Wirtschaftlichkeit sauberer Technologien hat sich zum wichtigsten strukturellen Treiber dieses Wandels entwickelt.5 Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Sobald eine saubere Technologie kostengünstiger ist als ihr fossiles Pendant, übernehmen die Marktkräfte das Ruder. Weder eine politische Kehrtwende noch ein Wahlausgang oder die Streichung von Subventionen können eine solche Technologie wieder durch das – wie ich es nenne – „Einwegtor“ der Kostenparität zurückdrängen.

Die Zahlen sprechen nicht von bloßen schrittweisen Veränderungen, sondern von einem echten Wandel. Die kombinierten Stromgestehungskosten für Photovoltaik und Batteriespeicher haben sich innerhalb von nur fünf Jahren halbiert und liegen damit weit unter den Kosten der Stromerzeugung aus LNG.6 Die weltweite Batteriekapazität hat sich seit 2020 verzwanzigfacht.7 Windkraft, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge haben in den meisten wichtigen Märkten die Preisparität mit konventionellen Alternativen erreicht.8 Dabei handelt es sich nicht um subventionsabhängige Erfolge, die mit dem nächsten Wahlzyklus verpuffen; vielmehr sind es strukturelle Kostensenkungen, die durch Skaleneffekte in der Fertigung und technische Fortschritte vorangetrieben werden – jene Art von dauerhaften, sich verstärkenden Verbesserungen, denen Investoren besondere Aufmerksamkeit schenken sollten.

Demgegenüber stehen Technologien, die diese Schwelle noch nicht überschritten haben: grüner Wasserstoff, CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) sowie E-Fuels. Sie haben zwar enorme Begeisterung bei Investoren und großzügige staatliche Unterstützung geweckt, doch ihre Kostenkurven bleiben hartnäckig hoch und ihre Verbreitung verläuft schleppend. Genau hier muss das aktive Management differenzieren. Die Energiewende ist kein einheitlicher Block, sondern eine Landschaft aus Gewinnern, Nachzüglern und schlichtweg falschen Versprechungen.

Energiesicherheit: struktureller Rückenwind, den die Märkte unterschätzen

Neben der Wirtschaftlichkeit der Technologien gibt es einen zweiten strukturellen Treiber, den die Finanzmärkte nach wie vor deutlich unterschätzen: das überzeugende Argument für saubere Energie als Lösung für die Energiesicherheit. Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in Ländern, die Nettoimporteure fossiler Brennstoffe sind.9 Jüngste Schocks bei der Energieversorgung haben sowohl in politischen Kreisen als auch in Unternehmensvorständen verdeutlicht, wie strukturell anfällig diese Abhängigkeit ist. Die Antwort darauf ist nicht nur politischer, sondern auch wirtschaftlicher Natur. Analysen von Ember legen nahe, dass bis zu 75 % der weltweiten Ausgaben für den Import fossiler Brennstoffe – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – durch den Einsatz erneuerbarer Energien, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen in Privathaushalten eingespart werden könnten.9 Hierbei handelt es sich nicht um abstrakte Umweltvorteile, sondern um konkrete finanzielle Einsparungen; diese machen den Einsatz sauberer Technologien – rein aus wirtschaftlicher Sicht und unabhängig von klimapolitischen Zielen – zu einer überzeugenden Investitionsentscheidung.

Genau diese Art von strukturellem Nachfragetreiber schafft nachhaltige Anlagethemen. Unternehmen und Technologien, die an der Schnittstelle zwischen Energiesicherheit und dem Kostenvorteil sauberer Technologien angesiedelt sind, sind nicht auf das Wohlwollen der Klimapolitik angewiesen. Sie lösen ein wirtschaftliches Problem, dessen Bewältigung für Regierungen und Unternehmen sowohl in Schwellen- als auch in Industrieländern von dringender Bedeutung ist.

Wo wir uns im Übergangsprozess befinden und was das für Ihr Portfolio bedeutet

Im Jahr 2025 wuchs die Versorgung mit sauberer Energie mehr als doppelt so schnell wie die Stromnachfrage.10 Der Energiebedarf stieg nur halb so stark an wie das weltweite BIP.11 Die Stromnachfrage wuchs mehr als doppelt so schnell wie der gesamte Energiebedarf.11 Diese Verhältnisse zeichnen ein überzeugendes strukturelles Bild: Die Wirtschaft wird bei ihrer Energieversorgung gleichzeitig energieeffizienter, stärker elektrifiziert und dekarbonisierter. Setzen sich die aktuellen Trends fort, werden saubere Stromquellen in den 2030er Jahren voraussichtlich zwei Drittel der gesamten Stromerzeugung ausmachen. Zudem ist erwähnenswert, dass bei der Stromnutzung im Allgemeinen 40 % weniger Primärenergie verloren geht als bei fossilen Energieträgern12 – eine beschleunigte Elektrifizierung verstärkt also die bereits laufenden Effizienzgewinne.

Für Investoren ergibt sich daraus ein differenziertes, aber überschaubares Umfeld. Der Stromsektor bietet einige der klarsten und zeitnah realisierbaren Chancen13, insbesondere durch Technologien zur Erzeugung sauberer Energie, die wirtschaftlich eigenständig tragfähig sind. Die Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung eröffnet bedeutende mittelfristige Chancen, gestützt durch eine bereits einsetzende Kostenparität. Die anspruchsvolleren und komplexeren Chancen liegen in der Dekarbonisierung der Industrie (Zement, Stahl, Chemie); hier ist das Investitionspotenzial zwar real, erfordert jedoch eine sorgfältige Prüfung sowohl der technologischen Machbarkeit als auch der finanziellen Wesentlichkeit.

Bei Nordea Asset Management suchen unsere Fondsmanager nach Unternehmen, die strategisch überzeugend, technologisch machbar und finanziell relevant sind – und zwar über eine plausible Bandbreite an Szenarien hinweg, nicht nur in den optimistischsten Fällen. Das Spektrum an Chancen im Zuge der Energiewende wächst zwar tatsächlich, steht jedoch einem weitaus größeren Universum etablierter Unternehmen gegenüber, die sich nur langsam anpassen, sowie Firmen, die Versprechen ohne glaubwürdigen Umsetzungspfad abgeben, und Technologien, die Kapital anziehen, das durch ihre Wirtschaftlichkeit nicht gerechtfertigt ist.

Der Vorteil eines aktiven Managers

Genau in diesem Umfeld ist aktives Management gefragt. Ein passives Investment in breite ESG- oder Klima-Indizes liefert lediglich das Durchschnittsergebnis einer äußerst heterogenen Landschaft. Man investiert dabei sowohl in Unternehmen, die den Wandel tatsächlich vorantreiben, als auch in solche, die lediglich auf den Marketing-Zug aufspringen. Man ist sowohl an Solar- und Batterieherstellern beteiligt, die von strukturellen Kostenvorteilen profitieren, als auch an Unternehmen für CO2-Abscheidungstechnologien, die Kapital für wirtschaftlich noch nicht bewährte Konzepte verbrennen.

Die Energiewende beschleunigt sich im Jahr 2026 in einigen Bereichen, während sie in anderen ins Stocken gerät. Die treibenden Kräfte – Wirtschaftlichkeit von Technologien, Erfordernisse der Energiesicherheit, Trends bei Effizienz und Elektrifizierung, politische Entwicklungen sowie Industriestrategien – wirken auf eine Weise zusammen, die sowohl große Chancen als auch erhebliche Risiken birgt. Zu erkennen, welche Technologien die wirtschaftliche Schwelle zum Durchbruch bereits überschritten haben, welche strukturellen Nachfragetreiber von Dauer sind und welche Anlagethemen – im Gegensatz zu bloßem politischem Wunschdenken – auf einem soliden finanziellen Fundament stehen: Genau hier kann sich echte Expertise in Rendite verwandeln.

Der Wandel findet statt. Für Anleger stellt sich nicht die Frage, ob sie daran teilhaben sollten, sondern vielmehr, ob sie über das nötige Verständnis verfügen, um in den richtigen Bereichen dieses Wandels investiert zu sein.