Von Eric Pedersen, Head of Responsible Investments bei Nordea Asset Management
Die Ereignisse des Jahres 2025 und der ersten Monate 2026 haben viele Annahmen von Anlegern infrage gestellt. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit und sich überlagernde globale Verwerfungen haben Prognosen sowohl für Unternehmen als auch für die Finanzmärkte zunehmend erschwert.
In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld sind Anleger einem ständigen Strom von Schlagzeilen und wechselnden Narrativen ausgesetzt. Erfolgreiches langfristiges Investieren erfordert jedoch, über das kurzfristige Rauschen hinauszublicken und sich auf die strukturellen Trends zu konzentrieren, die die Weltwirtschaft prägen.
Zuletzt kamen Fragen zum Tempo der Energiewende sowie zu den künftigen Wachstumsaussichten von Elektrofahrzeugen und nachhaltigen Finanzanlagen auf. Ein genauerer Blick auf die zugrunde liegenden Fundamentaldaten deutet jedoch darauf hin, dass ein positiver Wendepunkt erreicht ist.
Die Wirtschaftlichkeit der Energiewende bleibt überzeugend
Die Energiewende wird weiterhin von einer zunehmend günstigen Wirtschaftlichkeit vorangetrieben. Seit 2021 sind die Kosten erneuerbarer Energietechnologien deutlich gesunken. In Kombination mit Batterieenergiespeichersystemen (BESS) gehören Solar- und Windenergie in vielen Märkten inzwischen zu den günstigsten und schnellsten Möglichkeiten, neue Stromerzeugungskapazitäten aufzubauen und zugleich die Abhängigkeit von volatilen Preisen fossiler Brennstoffe zu verringern.
Hinzu kommen die Volatilität der Preise fossiler Brennstoffe und die Frage der Energieverfügbarkeit, die durch den Krieg am Persischen Golf und die Schließung der Straße von Hormus erneut deutlich geworden sind. Für Energieimporteure hat sich die Anreizstruktur dadurch grundlegend verändert.
Auch Unternehmen erkennen diese neue Realität zunehmend. Angesichts eines steigenden Energiebedarfs setzen sie auf erneuerbare Energien und Speicherlösungen als praktische und kosteneffiziente Wege, ihre künftige Stromversorgung zu sichern.
Der weltweite Ausbau beschleunigt sich weiter
Schon vor dem Krieg blieben die Investitions- und Ausbauentwicklungen trotz Sorgen über eine nachlassende Dynamik robust. Im Jahr 2025 überholte Texas Kalifornien bei der großflächigen Solarstromerzeugung, während die Vereinigten Staaten Rekordkapazitäten bei Windenergie, Solarenergie und Energiespeichern zubauten.1
Gleichzeitig baute China seine Kapazitäten für erneuerbare Energien schneller aus als der Rest der Welt zusammen – getragen sowohl von Überlegungen zur Energiesicherheit als auch von wirtschaftlichen Erwägungen.2
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Energiewende nicht von einem einzelnen Markt oder politischen Rahmen abhängt. Sie wird in den großen Volkswirtschaften zunehmend von breiten wirtschaftlichen und industriellen Treibern sowie von Erwägungen des Risikomanagements gestützt.
Nachhaltige Finanzanlagen sind weiterhin fest etabliert
In Europa wurden die Diskussionen über regulatorische Vereinfachungen mitunter als Abschwächung der Klimaziele interpretiert. Tatsächlich richtet sich die Debatte zunehmend darauf, die Umsetzung zu verbessern und zugleich die langfristigen Ziele der Transformation zu bewahren.
Zentrale Regelwerke wie das Europäische Emissionshandelssystem (ETS), die Verordnung über Entwaldung und die Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzanlagen (SFDR) dürften trotz unterschiedlich weitreichender Änderungen tragende Säulen der europäischen Klima- und Sustainable-Finance-Agenda bleiben.
Während sich die Mittelzuflüsse von Privatanlegern in ESG-Produkte abgeschwächt haben, bleibt die institutionelle Nachfrage nach Expertise im verantwortungsvollen Investieren robust. Dies unterstreicht, dass Nachhaltigkeitsaspekte weiterhin in langfristige Anlageprozesse integriert werden.
Über kurzfristige Narrative hinausblicken
Phasen der Unsicherheit verstärken häufig kurzfristige Narrative und das Marktrauschen. Doch die zugrunde liegenden Treiber der Energiewende und nachhaltiger Finanzanlagen sind stärker denn je: eine deutlich verbesserte Wirtschaftlichkeit, ein anhaltender weltweiter Ausbau und institutionelle Unterstützung.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt es entscheidend, zwischen vorübergehenden Stimmungsschwankungen und strukturellen Trends zu unterscheiden. In einer Welt anhaltender Krisen entsteht Widerstandsfähigkeit nicht dadurch, auf jede Schlagzeile zu reagieren, sondern indem der Fokus auf den langfristigen Kräften bleibt, die die künftige Wertschöpfung prägen.